Reiseberichte: Abenteuer Expedition
:: Abenteuer Expedition
Text: Peggy Geithner
Wüste. Das erste Mal werde ich diese Landschaft sehen, eine Landschaft der Extreme, von der so viele Menschen mit einem Lächeln in den Augen erzählen. Wenn Du einmal dort warst, zieht es Dich immer wieder dort hin. Das sagen Wüstenkenner. Ob es mir genauso gehen wird? Es ist eine andere Welt, die ich in den nächsten zwei Wochen kennen lernen werde. So ganz anders als unsere Zivilisation mit allen Annehmlichkeiten aber auch allem dazugehörigen Stress. Und ich bin aufgeregt, wie alles sein wird in Mauretanien, ein Land ungefähr viermal so groß wie Deutschland und mit nur 2,5 Mio. Einwohnern.
Ankunft in Mauretanien.
Unser Expeditionsleiter Jerome holt uns am Flughafen ab und nach kurzem Umpacken der Ausrüstung geht es gleich mit dem Geländewagen auf die Piste nach Ouadane, dem 180 km entfernten Startort unserer Expedition. Die Landschaft, durch die wir einige Stunden fahren, sieht eher abweisend aus: Weite Hammada (Steinebenen) mit wenig bewuchs und durch die dunkle Farbe auch etwas abweisend. Jerome erzählt, dass wir nicht durch eine Landschaft wie im Moment wandern werden, was uns alle ziemlich beruhigt. So lassen wir uns müde vom Flug über raue Piste durchschütteln, bis unser Fahrer eine Zwangspause einlegen muss: Reifenpanne! Bei der Pistenqualität kaum verwunderlich. Mit geübten Handgriffen wechselt der Fahrer das Rad in kürzester Zeit(und ich überlege, ob das wohl der hundertausendste Reifen ist, den er im Laufe der Jahre gewechselt hat?). Wir nutzen die Pause, um uns die Beine zu vertreten und Fotos zu machen, aber nach 10 Minuten sind wir schon wieder unterwegs. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Ouadane, antike Karawanenstadt und Unesco-Weltkulturerbe! Die Nacht verbringen wir in einer wunderschönen Herberge, die aus maurischen Zelten besteht. Zu zweit teilen wir uns je ein Zelt und zum Abendessen gibt es maurisches Couscous, mein erstes Couscous überhaupt ? und es schmeckt mir sehr gut! Jerome gibt uns noch ein Briefing zu Verhaltensweisen während der Tour und nach dem letzten Durchgehen der Ausrüstung liegen wir bereits um 21 Uhr im Schlafsack. Absolute Stille umgibt uns und der Vollmond scheint surreal über die Auberge. Wir sind, glaube ich, alle aufgeregt, denn morgen früh geht das Abenteuer los!
24.1. Ouadane - Rag es Sder
Sehr früh weckt uns Jerome, wir packen unsere Siebensachen und gehen in den gerade untergehenden Mond auf unsere erste Etappe. Es ist kaum Wind und leicht dunstig, sodass die Lichtverhältnisse zum Laufen nicht gerade optimal sind. Trotzdem gehen wir ohne Lampe, Jerome meint, es sei besser, die Augen an wenig Licht zu gewöhnen als mit dem kurzen Lichtkegel der LED-Lampen eh nur im Nahbereich etwas zu sehen. Das Gewicht des Rucksacks ist ok aber das Gehen auf dem Sand erfordert etwas Gewöhnung. Wir wandern immer eine Stunde und machen dann eine kurze Pause von vielleicht zehn Minuten, setzen dabei die Rucksäcke ab, trinken und essen etwas und reden meist mehr als beim Wandern selbst. Nach der zweiten Pause beginnt die Morgendämmerung und die Navigation wird nun leichter. Wir peilen immer irgendwelche Bäume am Horizont an, die sich beim Näherkommen oftmals nur als kleine Büsche herausstellen. Unser Mittagslager sind 2 Bäume in einer großen Ebene. Jerome hat diesen Platz gesucht, da es hier Feuerholz und genügend Schatten gibt. Wir ruhen uns von der Laufetappe aus, kochen den ersten maurischen Tee und am Nachmittag gegen 17 Uhr gehen wir nochmals 1,5 Stunden bis zu einem fantastischen Nachtplatz auf einer sanften Düne mit Blick bis zum Horizont, egal wo man hinschaut! Das Feuerholz haben wir hierhin mitnehmen müssen, da es im gesamten Umfeld keinen einzigen Strauch oder Baum gibt. Nun sitzen wir ums Feuer herum und genießen die Stille. Vor allem aber den ersten Sternenhimmel in der Wüste. Wir lernen (wie auch in den folgenden zwei Wochen) sehr viel über den Sternenhimmel, unser Guide kennt nach so vielen Jahren in der Wüste wohl jedes Sternbild am Himmel!
25.1. Rag es Sder - Tanouchert
Um 5 Uhr aufstehen ? zu Hause würde mich um diese Zeit niemand aus dem Bett kriegen aber hier in der Wüste liegt man ja auch sehr früh im Schlafsack, der Rhythmus ist also nur verschoben. Der Mond steht heute schon etwas höher am Himmel als gestern und so ist die Orientierung leichter. Wir passieren sanfte Sandebenen und vor der Oase Tanouchert, wo wir den Tag und die folgende Nacht verbringen werden, laufen wir über abertausend Schnecken und Muscheln. Vor langer Zeit muss hier einmal ein kleines Meer gewesen sein! Vor Tanouchert passieren wir ein erstes kleines Dünenfeld ? ein Vorgeschmack was uns auf dieser Tour noch erwartet. In Palmenhain eingetroffen, schlagen wir unser Camp unter einer Riesenakazie auf. Nach kurzer Zeit bekommen wir Besuch von einer kleinen Gendarmerie- Einheit, doch da Jerome den ?Chef? Sidi Ahmed kennt, gibt es keine Probleme sondern eine laute und herzliche Begrüßung, Nachdem wir unsere Flaschen an einem der vielen Brunnen gefüllt haben, folgen wir der Einladung der Familie Mohamed Cheich. Wir besuchen den grünen Garten, trinken Tee und kaufen in dem ?Gemischtwarenladen? im Dorf ein paar Datteln. Mohameds Frau schenkt mir sogar einen maurischen Umhang, den ich unter großem Amusement der anwesenden Oasenfrauen sogleich anprobieren muss! Am Abend machen ein Lagerfeuer in fast kitschiger Palmenkulisse und die Nacht verbringen wir unter einem traumhaften Palmendach etwas erhöht von der Oase. Außer einer kleinen Marschblase geht es mir gut, ich hoffe, das bleibt auch so.
26.1. Tanouchert - Wadi Erkaouja
Da uns heute nur eine kurze Etappe bevorsteht, haben wir mal so richtig ausgeschlafen: 6:15 Uhr, na ja ausschlafen ist da wohl nicht das richtige Wort!? Anfangs sind wir mit sehr leichtem Gewicht los, da wir erst nach einigen Kilometern an einer Wasserstelle auftanken wollten. Nach der Oase ging es vorbei an einem verlassenem Militärposten, über den markanten Bergzug Herour, bis schließlich wir die Nomadenansiedlung von Le Gneibe erreichten. Hier mussten wir Flaschen für die nächsten 3 Tage befüllen, was eine richtige Arbeit war! Aber sogar ein kleiner Nomadenjunge half uns gerne dabei und während die Jungs mit dem Füllen der Flaschen beschäftigt waren, habe ich eine Fotosession mit den Nomaden gemacht. Jerome spaßte mit den Frauen auf Arabisch herum und ich konnte so ganz unbeobachtet schöne Porträts schießen. Nach dem Spaß der Ernst: Mit ca. 30 kg ging es nun weiter aber zum Glück nur für zwei Stunden bis zum Mittag, wo wir schon unseren Zielpunkt des heutigen Tages erreicht hatten. Wir lagern nun inmitten eines sehr grünen und baumbestandenen Wadis, das sich wie ein breites Band durch die weite Landschaft zieht. Nach dem Essen sind Jerome und ich zu einem Nachmittagsspaziergang aufgebrochen und sitzen gerade auf einer Düne mit tollem Blick über die Gegend, quatschen über Gott und die Welt in dieser doch so verlassenen Welt. Am Abend bin ich dann nochmals zu einer wirklich lohnenswerten Fotosession mit orangefarbenen Cirruswolken am Himmel aufgebrochen. Nach einem großen Lagerfeuer (hier gibt?s ja genug Holz) hatten wir dann etwas ?Sternenschule? und sind bereits um 21 Uhr in die Schlafsäcke gekrochen. Nur 4 Grad zeigt das Thermometer!
27.1. Erkaouja - Elb Tijert
Werde langsam zum Frühaufsteher: Um 5:15 Uhr ging es heute bereits los, im Mondlicht und mit Slalomkurs zwischen den Bäumen hindurch langsam in die Morgendämmerung hinein. Die weitere Strecke war vom Terrain her recht einfach zu gehen, immer entlang parallel stehender kilometerlanger Dünenketten. Eine dieser Dünenketten (die höchste natürlich!) mit Namen Elb Tijert ist unser Ziel für heute. Wir haben den Tag unter einer Akazie am Fuß dieser Düne verbracht und am Nachmittag sogar Besuch von einem Nomaden, der ganz allein mit seinen 2 Kamelen auf der Durchreise ist, bekommen. Wie selbstverständlich hat er Tee für uns gekocht und wir haben uns mit Keksen und Nüssen an dem Mahl beteiligt. Zum Schluss wollte er am liebsten noch unsere Teegläser geschenkt haben ? aber die brauchen wir noch. Zum Sonnenuntergang sind wir dann ein paar ?Stockwerke? höher gezogen, leider in eine Senke auf der Düne wegen doch stetigem Wind. Auch heute haben wir wieder eine Riesenmenge Holz gesammelt und die dicksten Äste mit dem Leatherman in handliche Stücke gesägt. Mitten beim Abendessen ist dann der Mond aufgegangen und wir sind auf dem Dünengrat gestanden und haben uns gefühlt wie in den Alpen auf einem Viertausender! Der Grat war so spitz, dass wir aufpassen mussten, nicht unser Gleichgewicht zu verlieren!
28.1. Elb Tijert - Lemreyfeg
Kamele riechen! Unsere Laufetappe ging heute immer entlang des Dünenzuges und irgendwann roch es anders als sonst: Kurz darauf liefen wir an einer großen Kamelherde vorbei und haben die Tiere wohl ziemlich erschreckt. Die schlafenden Tiere sind alle aufgesprungen und haben in typischer Manier rumgeblökt. Ein bisschen unheimlich war die Situation schon, da wir sie in der Dunkelheit eigentlich nur hören und riechen aber nicht sehen konnten! Mittags erreichten wir Bir Lemreyfeg, den letzten Brunnen vor dem Dünenmeer. Ich bin heute total geschafft, vielleicht doch die Anstrengung und das frühe Aufstehen? Na ja, habe den ganzen Nachmittag wie im Koma geschlafen und danach ging es mir schon viel besser. Nomaden haben in der Nähe eine Akazie angezündet (zur Rodung?), sieht surreal aus in Verbindung mit dem kitschigen orange des Abendhimmels.
29.1. Lemreyfeg - Nejan
Es geht ins Dünenmeer! Im Dunkel der Nacht sind wir losgezogen aber die Helligkeit des Mondes reicht allemal zur Wegsuche. Viel schwieriger ist es, dass der Mond im Zenit steht und wie die Sonne zur Mittagszeit keine langen Schatten wirft. Die Dünenlandschaft ist entsprechend konturlos und für uns ist es nicht einfach, die Strukturen richtig ?zu lesen? und so stapfen wir manches Mal butterweiche Sandflächen hinauf, wo es vielleicht fünf Meter weiter eine leichtere Passage gibt. Jerome navigiert nach den Sternen und das Kreuz des Südens bildet dafür in diesem Monat einen perfekten Navigationspunkt. Innerhalb einiger Stunden quert die Gruppe vier oder fünf Wadis, die sich kilometerlang in Nord-Süd-Richtung durchs Sandmeer ziehen. Durch den kalten Januarwind liegen wir während der Mittagspause sogar in den Schlafsäcken im Schatten und machen uns am Nachmittag auf eine kleine Wanderung ohne Gepäck auf die singende Düne, das höchste Dünenfeld der gesamten Region. Nach diesem Ausflug sind wir alle müde, essen früh und gehen zeitig in den Schlafsack. Morgen geht es noch früher los, wir haben die Königsetappe mit rund 19 Kilometern über Dünen auf dem Programm.
30.1. Nejan - Irigui - die Königsetappe
Bereits um 3.30 Uhr stehen wir auf und stapfen munter in Richtung Süden los. Die Nacht ist sehr dunstig weshalb Jerome bei der Navigation so seine Probleme hat: Es sind praktisch keine Sterne direkt über dem Horizont zu sehen. Nur etwas höher ist der Schwanz des Sternbilds Skorpion auszumachen und soll uns bis zur Dämmerung eine wichtige Hilfe bei der Navigation sein. Die ersten zwei Wanderstunden ist es schon ziemlich kühl aber kurz vor Sonnenaufgang fällt die Temperatur nochmals merklich: Beim Blick auf das Thermometer staunen wir: 0 Grad! Deshalb hatten wir also kalte Füße und wickelten uns freiwillig den Chech und tragen (wer hat) Handschuhe. Um halbeins also nach rund 7,5 strammen Marschstunden, erreichen wir endlich die Wasserstelle Irigui und nach kurzem Kontrollblick, wie es um die Wasserquantität bestellt ist, machen wir uns daran, unser Proviantdepot auszugraben, das Jerome vor einigen Wochen mit einer Karawane hier angelegt hat. Alles da! Unser Lagerplatz setzt dem erfolgreichen Tag noch die Krone auf: im Schatten einer großen Akazie genießen wir den Tag bei reichlich Essen und Wasser. Viele Tees werden gekocht und spät am Abend ziehen wir uns erst in unsere Schlafstätten zurück.
31.1. Fast ein Ruhetag im Wadi Irigui
Eine kalte Nacht! Minus 2 Grad hatten wir am Morgen und so recht wollte niemand aus dem Schlafsack steigen. Glücklicherweise ist heute nur eine kleine Etappe von ca 7 km angesagt und wir haben deshalb beschlossen, etwas auszuschlafen und dann erst mal in Ruhe zu frühstücken, bevor es das Wadi westwärts geht. Also Frühstück um 9:30 Uhr mit Kaffee, Tee, Müsli, Käse und Brot. Danach noch einmal Wasser holen für den restlichen Tag und die morgige Etappe und dann ging´ s los. Aber nur kurz, denn heute ist ja sozusagen Ruhetag. Nach eineinhalb Stunden waren wir schon am Ziel, haben unsere Siebensachen wieder ausgepackt, Brot gebacken und das noch warme Brot mit Tunfisch und getrockneten Tomaten gegessen. Den restlichen Tag haben wir dann im Schatten eines mächtigen Baumes sehr genossen: Gelesen, rumgeblödelt, die Ausrüstung gecheckt und Unmengen an Feuerholz für den Abend gesammelt. Am Nachmittag haben wir uns dann nochmals in alle Himmelsrichtungen verstreut, hinein in die Dünen auf große Fotosafari. Auf dem Rückweg traf ich auf 3 Kamele die seelenruhig in der Nähe des Lagers weideten...
1.2. Irigui - Mgahlig
Nur 15 km standen heute auf dem Programm aber die hatten es in sich! Die Etappe war sehr schwer zu gehen durch oft verschachtelte Dünen und nach unserer Ankunft am Brunnen von Mghalig kürten alle diese Etappe nach der gestrigen ?Königsetappe? kurzerhand zur ?Kaiseretappe?. Aber die Landschaft entschädigt: Wir haben gigantische Dünengipfel vor dem abstieg ins letzte Wadi mit dem Brunnen passiert, einen schönen Nachtlagerplatz hier in einer großen Ebene, wo eine Dünenzunge über den steinigen Boden sanft strandet und natürlich standesgemäß Kaiserschmarrn zur heutigen Etappe gekocht. Nur die Holzsuche war etwas aufwendiger aber im südlichen Teil des Wadi wurden wir nach einiger zeit endlich fündig. Wir lagen alle früh und müde im Schlafsack aber ich habe noch mindestens zwei Stunden Sterne geschaut, unglaublich viele Sternschnuppen dabei gesehen und endlich das Sternzeichen Großer Hund entdeckt und verstanden, warum es so heißt, denn frappierende Ähnlichkeit mit einem Foxterrier ist nicht zu übersehen!
2.2. Mgahlig - Deya
Heute hatten wir eine der schönsten Etappen, denn wir mussten sehr hohe Dünenfelder queren und genossen oben auf den Gipfeln eine atemberaubende Sicht. Wir fühlten uns zeitweise fast wie im Hochgebirge beim Tiefschneegehen. Am Mittag erreichten wir den Palmenhain von Lagueila. Im Schatten der bestimmt hundert Palmen verbrachten wir einen ruhigen Tag, Nomaden haben Tee gekocht für uns und wir genossen einfach das Rauschen der Palmen über uns. Am späten Nachmittag sind wir nochmals weitergegangen bis zum nächsten Wadi von Deya. Haben dort ein (leider) rauchiges Lagerfeuer entzündet und die allgemeine Müdigkeit hat uns schnell in die Schlafsäcke getrieben.
3.2. Deya - Wadi Chinguetti
Auch in der Wüste kann es einem vorkommen, wie beim Waldspaziergang! Den ganzen Morgen sind wir durch ein baumbestandenes Wadi gewandert. Natürlich nicht so grün wie in Europa, sogar Dünen galt es zu queren, aber für Saharaverhältnisse eine ausgesprochen grüne Etappe. Nach ca. 2 Stunden hatten wir das Ende des Wadi erreicht und mussten durch kleine Dünenfelder in nördlicher Richtung wandern bis wir das Wadi von Chinguetti erreichten. Der Wind nahm seit dem Sonnenaufgang stetig zu und am Mittag hatten wir einen leichten Sandsturm! Wir erreichten des Wadi gegen 12 Uhr und Jerome suchte die selbe Stelle, wo er bereits mit der letzten Expedition das Camp hatte. Das Teekochen im Sandsturm war eine schwierige Aufgabe und mit viel Schaumkrone durch Hin- und Herschütten wurde es heute gar nichts. Was soll man gegen den Sand am besten machen? Wir beschlossen, einfach in die Schlafsäcke zu krabbeln, um nicht vollends einzusanden. Den restlichen Tag verbrachten wir also in ?Duldungsstarre? und erst zum Abend kurz nach Sonnenuntergang ließ die Briese endlich etwas nach. Wir haben lange nach einem geeigneten Platz zum kochen und schlafen gesucht und sind schließlich am Ende eines Dünenkamms fündig geworden. Hier bot uns die Sandwand genügend Schutz vor dem kühlen Wind. Den letzten Abend draußen in der Wüste wollten wir natürlich etwas länger am Feuer sitzen, haben dann auch unsere Proviantreserven aufgebraucht, lange geredet und viel gelacht. Morgen haben wir ja nur eine kurze Etappe bis nach Chinguetti, müssen also nicht so früh in die Schlafsäcke. Sogar ein Früchtebrot hat Jerome uns zum Abschluss im heißen Sand unter der Glut des Feuers gebacken!
4.2. Nach Chinguetti
Kälterekord! Minus 4 Grad hatten wir am Morgen und ab halbfünf waren fast alle wach, weil sie wegen der niedrigen Temperaturen nicht wirklich komfortabel in ihren Schlafsäcken liegen. Nur mir in meinem dicken Daunenschlafsack ist angenehm warm aber Jerome und Stefan haben alles an, was sie dabei haben! Trotz klirrender Kälte haben wir uns angezogen und sind frohen Mutes losgewandert ? Nur rund 9 Kilometer bis zu einem richtigen Frühstück mit frischem Brot und heißem Kaffee! Wie so oft bei großer Kälte begrüßt uns der Tag mit unglaublich klarer Sicht und einem farbenprächtigem Himmel. Das Terrain bis Chinguetti ist einfach, ein ?schneller? fester und sehr ebener Untergrund, so dass wir schon um 9:00 Uhr die Karawanenstadt pünktlich zum Frühstück erreichen. Ein großes Abenteuer geht zu Ende und ich bin beeindruckt von der Vielfalt der Wüste! Vor allem sind alle gesund durchgekommen und die Stimmung in unserer Truppe war immer locker und fröhlich.
Wüste. Das erste Mal werde ich diese Landschaft sehen, eine Landschaft der Extreme, von der so viele Menschen mit einem Lächeln in den Augen erzählen. Wenn Du einmal dort warst, zieht es Dich immer wieder dort hin. Das sagen Wüstenkenner. Ob es mir genauso gehen wird? Es ist eine andere Welt, die ich in den nächsten zwei Wochen kennen lernen werde. So ganz anders als unsere Zivilisation mit allen Annehmlichkeiten aber auch allem dazugehörigen Stress. Und ich bin aufgeregt, wie alles sein wird in Mauretanien, ein Land ungefähr viermal so groß wie Deutschland und mit nur 2,5 Mio. Einwohnern.
Ankunft in Mauretanien.
Unser Expeditionsleiter Jerome holt uns am Flughafen ab und nach kurzem Umpacken der Ausrüstung geht es gleich mit dem Geländewagen auf die Piste nach Ouadane, dem 180 km entfernten Startort unserer Expedition. Die Landschaft, durch die wir einige Stunden fahren, sieht eher abweisend aus: Weite Hammada (Steinebenen) mit wenig bewuchs und durch die dunkle Farbe auch etwas abweisend. Jerome erzählt, dass wir nicht durch eine Landschaft wie im Moment wandern werden, was uns alle ziemlich beruhigt. So lassen wir uns müde vom Flug über raue Piste durchschütteln, bis unser Fahrer eine Zwangspause einlegen muss: Reifenpanne! Bei der Pistenqualität kaum verwunderlich. Mit geübten Handgriffen wechselt der Fahrer das Rad in kürzester Zeit(und ich überlege, ob das wohl der hundertausendste Reifen ist, den er im Laufe der Jahre gewechselt hat?). Wir nutzen die Pause, um uns die Beine zu vertreten und Fotos zu machen, aber nach 10 Minuten sind wir schon wieder unterwegs. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Ouadane, antike Karawanenstadt und Unesco-Weltkulturerbe! Die Nacht verbringen wir in einer wunderschönen Herberge, die aus maurischen Zelten besteht. Zu zweit teilen wir uns je ein Zelt und zum Abendessen gibt es maurisches Couscous, mein erstes Couscous überhaupt ? und es schmeckt mir sehr gut! Jerome gibt uns noch ein Briefing zu Verhaltensweisen während der Tour und nach dem letzten Durchgehen der Ausrüstung liegen wir bereits um 21 Uhr im Schlafsack. Absolute Stille umgibt uns und der Vollmond scheint surreal über die Auberge. Wir sind, glaube ich, alle aufgeregt, denn morgen früh geht das Abenteuer los!
24.1. Ouadane - Rag es Sder
Sehr früh weckt uns Jerome, wir packen unsere Siebensachen und gehen in den gerade untergehenden Mond auf unsere erste Etappe. Es ist kaum Wind und leicht dunstig, sodass die Lichtverhältnisse zum Laufen nicht gerade optimal sind. Trotzdem gehen wir ohne Lampe, Jerome meint, es sei besser, die Augen an wenig Licht zu gewöhnen als mit dem kurzen Lichtkegel der LED-Lampen eh nur im Nahbereich etwas zu sehen. Das Gewicht des Rucksacks ist ok aber das Gehen auf dem Sand erfordert etwas Gewöhnung. Wir wandern immer eine Stunde und machen dann eine kurze Pause von vielleicht zehn Minuten, setzen dabei die Rucksäcke ab, trinken und essen etwas und reden meist mehr als beim Wandern selbst. Nach der zweiten Pause beginnt die Morgendämmerung und die Navigation wird nun leichter. Wir peilen immer irgendwelche Bäume am Horizont an, die sich beim Näherkommen oftmals nur als kleine Büsche herausstellen. Unser Mittagslager sind 2 Bäume in einer großen Ebene. Jerome hat diesen Platz gesucht, da es hier Feuerholz und genügend Schatten gibt. Wir ruhen uns von der Laufetappe aus, kochen den ersten maurischen Tee und am Nachmittag gegen 17 Uhr gehen wir nochmals 1,5 Stunden bis zu einem fantastischen Nachtplatz auf einer sanften Düne mit Blick bis zum Horizont, egal wo man hinschaut! Das Feuerholz haben wir hierhin mitnehmen müssen, da es im gesamten Umfeld keinen einzigen Strauch oder Baum gibt. Nun sitzen wir ums Feuer herum und genießen die Stille. Vor allem aber den ersten Sternenhimmel in der Wüste. Wir lernen (wie auch in den folgenden zwei Wochen) sehr viel über den Sternenhimmel, unser Guide kennt nach so vielen Jahren in der Wüste wohl jedes Sternbild am Himmel!
25.1. Rag es Sder - Tanouchert
Um 5 Uhr aufstehen ? zu Hause würde mich um diese Zeit niemand aus dem Bett kriegen aber hier in der Wüste liegt man ja auch sehr früh im Schlafsack, der Rhythmus ist also nur verschoben. Der Mond steht heute schon etwas höher am Himmel als gestern und so ist die Orientierung leichter. Wir passieren sanfte Sandebenen und vor der Oase Tanouchert, wo wir den Tag und die folgende Nacht verbringen werden, laufen wir über abertausend Schnecken und Muscheln. Vor langer Zeit muss hier einmal ein kleines Meer gewesen sein! Vor Tanouchert passieren wir ein erstes kleines Dünenfeld ? ein Vorgeschmack was uns auf dieser Tour noch erwartet. In Palmenhain eingetroffen, schlagen wir unser Camp unter einer Riesenakazie auf. Nach kurzer Zeit bekommen wir Besuch von einer kleinen Gendarmerie- Einheit, doch da Jerome den ?Chef? Sidi Ahmed kennt, gibt es keine Probleme sondern eine laute und herzliche Begrüßung, Nachdem wir unsere Flaschen an einem der vielen Brunnen gefüllt haben, folgen wir der Einladung der Familie Mohamed Cheich. Wir besuchen den grünen Garten, trinken Tee und kaufen in dem ?Gemischtwarenladen? im Dorf ein paar Datteln. Mohameds Frau schenkt mir sogar einen maurischen Umhang, den ich unter großem Amusement der anwesenden Oasenfrauen sogleich anprobieren muss! Am Abend machen ein Lagerfeuer in fast kitschiger Palmenkulisse und die Nacht verbringen wir unter einem traumhaften Palmendach etwas erhöht von der Oase. Außer einer kleinen Marschblase geht es mir gut, ich hoffe, das bleibt auch so.
26.1. Tanouchert - Wadi Erkaouja
Da uns heute nur eine kurze Etappe bevorsteht, haben wir mal so richtig ausgeschlafen: 6:15 Uhr, na ja ausschlafen ist da wohl nicht das richtige Wort!? Anfangs sind wir mit sehr leichtem Gewicht los, da wir erst nach einigen Kilometern an einer Wasserstelle auftanken wollten. Nach der Oase ging es vorbei an einem verlassenem Militärposten, über den markanten Bergzug Herour, bis schließlich wir die Nomadenansiedlung von Le Gneibe erreichten. Hier mussten wir Flaschen für die nächsten 3 Tage befüllen, was eine richtige Arbeit war! Aber sogar ein kleiner Nomadenjunge half uns gerne dabei und während die Jungs mit dem Füllen der Flaschen beschäftigt waren, habe ich eine Fotosession mit den Nomaden gemacht. Jerome spaßte mit den Frauen auf Arabisch herum und ich konnte so ganz unbeobachtet schöne Porträts schießen. Nach dem Spaß der Ernst: Mit ca. 30 kg ging es nun weiter aber zum Glück nur für zwei Stunden bis zum Mittag, wo wir schon unseren Zielpunkt des heutigen Tages erreicht hatten. Wir lagern nun inmitten eines sehr grünen und baumbestandenen Wadis, das sich wie ein breites Band durch die weite Landschaft zieht. Nach dem Essen sind Jerome und ich zu einem Nachmittagsspaziergang aufgebrochen und sitzen gerade auf einer Düne mit tollem Blick über die Gegend, quatschen über Gott und die Welt in dieser doch so verlassenen Welt. Am Abend bin ich dann nochmals zu einer wirklich lohnenswerten Fotosession mit orangefarbenen Cirruswolken am Himmel aufgebrochen. Nach einem großen Lagerfeuer (hier gibt?s ja genug Holz) hatten wir dann etwas ?Sternenschule? und sind bereits um 21 Uhr in die Schlafsäcke gekrochen. Nur 4 Grad zeigt das Thermometer!
27.1. Erkaouja - Elb Tijert
Werde langsam zum Frühaufsteher: Um 5:15 Uhr ging es heute bereits los, im Mondlicht und mit Slalomkurs zwischen den Bäumen hindurch langsam in die Morgendämmerung hinein. Die weitere Strecke war vom Terrain her recht einfach zu gehen, immer entlang parallel stehender kilometerlanger Dünenketten. Eine dieser Dünenketten (die höchste natürlich!) mit Namen Elb Tijert ist unser Ziel für heute. Wir haben den Tag unter einer Akazie am Fuß dieser Düne verbracht und am Nachmittag sogar Besuch von einem Nomaden, der ganz allein mit seinen 2 Kamelen auf der Durchreise ist, bekommen. Wie selbstverständlich hat er Tee für uns gekocht und wir haben uns mit Keksen und Nüssen an dem Mahl beteiligt. Zum Schluss wollte er am liebsten noch unsere Teegläser geschenkt haben ? aber die brauchen wir noch. Zum Sonnenuntergang sind wir dann ein paar ?Stockwerke? höher gezogen, leider in eine Senke auf der Düne wegen doch stetigem Wind. Auch heute haben wir wieder eine Riesenmenge Holz gesammelt und die dicksten Äste mit dem Leatherman in handliche Stücke gesägt. Mitten beim Abendessen ist dann der Mond aufgegangen und wir sind auf dem Dünengrat gestanden und haben uns gefühlt wie in den Alpen auf einem Viertausender! Der Grat war so spitz, dass wir aufpassen mussten, nicht unser Gleichgewicht zu verlieren!
28.1. Elb Tijert - Lemreyfeg
Kamele riechen! Unsere Laufetappe ging heute immer entlang des Dünenzuges und irgendwann roch es anders als sonst: Kurz darauf liefen wir an einer großen Kamelherde vorbei und haben die Tiere wohl ziemlich erschreckt. Die schlafenden Tiere sind alle aufgesprungen und haben in typischer Manier rumgeblökt. Ein bisschen unheimlich war die Situation schon, da wir sie in der Dunkelheit eigentlich nur hören und riechen aber nicht sehen konnten! Mittags erreichten wir Bir Lemreyfeg, den letzten Brunnen vor dem Dünenmeer. Ich bin heute total geschafft, vielleicht doch die Anstrengung und das frühe Aufstehen? Na ja, habe den ganzen Nachmittag wie im Koma geschlafen und danach ging es mir schon viel besser. Nomaden haben in der Nähe eine Akazie angezündet (zur Rodung?), sieht surreal aus in Verbindung mit dem kitschigen orange des Abendhimmels.
29.1. Lemreyfeg - Nejan
Es geht ins Dünenmeer! Im Dunkel der Nacht sind wir losgezogen aber die Helligkeit des Mondes reicht allemal zur Wegsuche. Viel schwieriger ist es, dass der Mond im Zenit steht und wie die Sonne zur Mittagszeit keine langen Schatten wirft. Die Dünenlandschaft ist entsprechend konturlos und für uns ist es nicht einfach, die Strukturen richtig ?zu lesen? und so stapfen wir manches Mal butterweiche Sandflächen hinauf, wo es vielleicht fünf Meter weiter eine leichtere Passage gibt. Jerome navigiert nach den Sternen und das Kreuz des Südens bildet dafür in diesem Monat einen perfekten Navigationspunkt. Innerhalb einiger Stunden quert die Gruppe vier oder fünf Wadis, die sich kilometerlang in Nord-Süd-Richtung durchs Sandmeer ziehen. Durch den kalten Januarwind liegen wir während der Mittagspause sogar in den Schlafsäcken im Schatten und machen uns am Nachmittag auf eine kleine Wanderung ohne Gepäck auf die singende Düne, das höchste Dünenfeld der gesamten Region. Nach diesem Ausflug sind wir alle müde, essen früh und gehen zeitig in den Schlafsack. Morgen geht es noch früher los, wir haben die Königsetappe mit rund 19 Kilometern über Dünen auf dem Programm.
30.1. Nejan - Irigui - die Königsetappe
Bereits um 3.30 Uhr stehen wir auf und stapfen munter in Richtung Süden los. Die Nacht ist sehr dunstig weshalb Jerome bei der Navigation so seine Probleme hat: Es sind praktisch keine Sterne direkt über dem Horizont zu sehen. Nur etwas höher ist der Schwanz des Sternbilds Skorpion auszumachen und soll uns bis zur Dämmerung eine wichtige Hilfe bei der Navigation sein. Die ersten zwei Wanderstunden ist es schon ziemlich kühl aber kurz vor Sonnenaufgang fällt die Temperatur nochmals merklich: Beim Blick auf das Thermometer staunen wir: 0 Grad! Deshalb hatten wir also kalte Füße und wickelten uns freiwillig den Chech und tragen (wer hat) Handschuhe. Um halbeins also nach rund 7,5 strammen Marschstunden, erreichen wir endlich die Wasserstelle Irigui und nach kurzem Kontrollblick, wie es um die Wasserquantität bestellt ist, machen wir uns daran, unser Proviantdepot auszugraben, das Jerome vor einigen Wochen mit einer Karawane hier angelegt hat. Alles da! Unser Lagerplatz setzt dem erfolgreichen Tag noch die Krone auf: im Schatten einer großen Akazie genießen wir den Tag bei reichlich Essen und Wasser. Viele Tees werden gekocht und spät am Abend ziehen wir uns erst in unsere Schlafstätten zurück.
31.1. Fast ein Ruhetag im Wadi Irigui
Eine kalte Nacht! Minus 2 Grad hatten wir am Morgen und so recht wollte niemand aus dem Schlafsack steigen. Glücklicherweise ist heute nur eine kleine Etappe von ca 7 km angesagt und wir haben deshalb beschlossen, etwas auszuschlafen und dann erst mal in Ruhe zu frühstücken, bevor es das Wadi westwärts geht. Also Frühstück um 9:30 Uhr mit Kaffee, Tee, Müsli, Käse und Brot. Danach noch einmal Wasser holen für den restlichen Tag und die morgige Etappe und dann ging´ s los. Aber nur kurz, denn heute ist ja sozusagen Ruhetag. Nach eineinhalb Stunden waren wir schon am Ziel, haben unsere Siebensachen wieder ausgepackt, Brot gebacken und das noch warme Brot mit Tunfisch und getrockneten Tomaten gegessen. Den restlichen Tag haben wir dann im Schatten eines mächtigen Baumes sehr genossen: Gelesen, rumgeblödelt, die Ausrüstung gecheckt und Unmengen an Feuerholz für den Abend gesammelt. Am Nachmittag haben wir uns dann nochmals in alle Himmelsrichtungen verstreut, hinein in die Dünen auf große Fotosafari. Auf dem Rückweg traf ich auf 3 Kamele die seelenruhig in der Nähe des Lagers weideten...
1.2. Irigui - Mgahlig
Nur 15 km standen heute auf dem Programm aber die hatten es in sich! Die Etappe war sehr schwer zu gehen durch oft verschachtelte Dünen und nach unserer Ankunft am Brunnen von Mghalig kürten alle diese Etappe nach der gestrigen ?Königsetappe? kurzerhand zur ?Kaiseretappe?. Aber die Landschaft entschädigt: Wir haben gigantische Dünengipfel vor dem abstieg ins letzte Wadi mit dem Brunnen passiert, einen schönen Nachtlagerplatz hier in einer großen Ebene, wo eine Dünenzunge über den steinigen Boden sanft strandet und natürlich standesgemäß Kaiserschmarrn zur heutigen Etappe gekocht. Nur die Holzsuche war etwas aufwendiger aber im südlichen Teil des Wadi wurden wir nach einiger zeit endlich fündig. Wir lagen alle früh und müde im Schlafsack aber ich habe noch mindestens zwei Stunden Sterne geschaut, unglaublich viele Sternschnuppen dabei gesehen und endlich das Sternzeichen Großer Hund entdeckt und verstanden, warum es so heißt, denn frappierende Ähnlichkeit mit einem Foxterrier ist nicht zu übersehen!
2.2. Mgahlig - Deya
Heute hatten wir eine der schönsten Etappen, denn wir mussten sehr hohe Dünenfelder queren und genossen oben auf den Gipfeln eine atemberaubende Sicht. Wir fühlten uns zeitweise fast wie im Hochgebirge beim Tiefschneegehen. Am Mittag erreichten wir den Palmenhain von Lagueila. Im Schatten der bestimmt hundert Palmen verbrachten wir einen ruhigen Tag, Nomaden haben Tee gekocht für uns und wir genossen einfach das Rauschen der Palmen über uns. Am späten Nachmittag sind wir nochmals weitergegangen bis zum nächsten Wadi von Deya. Haben dort ein (leider) rauchiges Lagerfeuer entzündet und die allgemeine Müdigkeit hat uns schnell in die Schlafsäcke getrieben.
3.2. Deya - Wadi Chinguetti
Auch in der Wüste kann es einem vorkommen, wie beim Waldspaziergang! Den ganzen Morgen sind wir durch ein baumbestandenes Wadi gewandert. Natürlich nicht so grün wie in Europa, sogar Dünen galt es zu queren, aber für Saharaverhältnisse eine ausgesprochen grüne Etappe. Nach ca. 2 Stunden hatten wir das Ende des Wadi erreicht und mussten durch kleine Dünenfelder in nördlicher Richtung wandern bis wir das Wadi von Chinguetti erreichten. Der Wind nahm seit dem Sonnenaufgang stetig zu und am Mittag hatten wir einen leichten Sandsturm! Wir erreichten des Wadi gegen 12 Uhr und Jerome suchte die selbe Stelle, wo er bereits mit der letzten Expedition das Camp hatte. Das Teekochen im Sandsturm war eine schwierige Aufgabe und mit viel Schaumkrone durch Hin- und Herschütten wurde es heute gar nichts. Was soll man gegen den Sand am besten machen? Wir beschlossen, einfach in die Schlafsäcke zu krabbeln, um nicht vollends einzusanden. Den restlichen Tag verbrachten wir also in ?Duldungsstarre? und erst zum Abend kurz nach Sonnenuntergang ließ die Briese endlich etwas nach. Wir haben lange nach einem geeigneten Platz zum kochen und schlafen gesucht und sind schließlich am Ende eines Dünenkamms fündig geworden. Hier bot uns die Sandwand genügend Schutz vor dem kühlen Wind. Den letzten Abend draußen in der Wüste wollten wir natürlich etwas länger am Feuer sitzen, haben dann auch unsere Proviantreserven aufgebraucht, lange geredet und viel gelacht. Morgen haben wir ja nur eine kurze Etappe bis nach Chinguetti, müssen also nicht so früh in die Schlafsäcke. Sogar ein Früchtebrot hat Jerome uns zum Abschluss im heißen Sand unter der Glut des Feuers gebacken!
4.2. Nach Chinguetti
Kälterekord! Minus 4 Grad hatten wir am Morgen und ab halbfünf waren fast alle wach, weil sie wegen der niedrigen Temperaturen nicht wirklich komfortabel in ihren Schlafsäcken liegen. Nur mir in meinem dicken Daunenschlafsack ist angenehm warm aber Jerome und Stefan haben alles an, was sie dabei haben! Trotz klirrender Kälte haben wir uns angezogen und sind frohen Mutes losgewandert ? Nur rund 9 Kilometer bis zu einem richtigen Frühstück mit frischem Brot und heißem Kaffee! Wie so oft bei großer Kälte begrüßt uns der Tag mit unglaublich klarer Sicht und einem farbenprächtigem Himmel. Das Terrain bis Chinguetti ist einfach, ein ?schneller? fester und sehr ebener Untergrund, so dass wir schon um 9:00 Uhr die Karawanenstadt pünktlich zum Frühstück erreichen. Ein großes Abenteuer geht zu Ende und ich bin beeindruckt von der Vielfalt der Wüste! Vor allem sind alle gesund durchgekommen und die Stimmung in unserer Truppe war immer locker und fröhlich.
Wüstenwandern - Erdmannstr. 13 - 10827 Berlin - Fon: +49 (30) 85 47 93 79 - Fax: +49 (30) 85 47 96 15





